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Deutschland: Land der Sammler und Banker

Die Deutschen hängen an ihrem Bargeld. 103 Euro haben sie durchschnittlich im Portemonnaie. Privatsphäre und Sicherheit sind nur bei Barzahlungen gewährleistet, glauben 86 Prozent laut einer internationalen Studie der Bank ING-DiBa von 2017. Eine Welt ohne Bargeld? Für 84 Prozent der Deutschen undenkbar.

Schweden: Kampfloser Wandel

Bis 2030 soll Schweden gänzlich bargeldfrei sein, verkündete die Regierung. Im Dom von Uppsala stört während der Kollekte schon lange kein Kleingeld-Geklimper mehr den Gottesdienst. Die Gläubigen spenden an einem Kollektomaten – mit Karte. Drei Viertel der Dänen reichen beim Einkauf keine Kronen mehr über die Ladentheke. Die Schulden bei Freunden werden per Smartphone-App beglichen, die Obdachlosenzeitung durch Sofortüberweisung gleich auf der Straße bezahlt. Und Münzprägeanstalten sucht man in Skandinavien heute vergeblich. Sorgen um ihre Daten? Haben die Skandinavier nicht. „Während der Däne an das Gute im Menschen glaubt, wittert der Deutsche überall Datenspionage – und das besonders, wenn es um Geld geht", sagt Holger Sandte, Chefvolkswirt der schwedischen Nordea-Bank.

Indien: Kampf gegen Korruption

Die am stärksten wachsende Volkswirtschaft der Welt hat die beiden am häufigsten verwendeten Geldscheine aus dem Verkehr gezogen: den 500- und den 1000-Rupien-Schein. Das hatte erst große Proteste ausgelöst, weil damit 86 Prozent des Papiergeldes verschwinden sollten. Da die indischen Bürger zum Umtauschen ihrer Scheine das Geld registrieren lassen mussten, war die Aktion ein großer Erfolg im Kampf gegen Schwarzgeld und die ausufernde Korruption. Auch in Europa soll der 500-Euro-Schein Ende 2018 abgeschafft werden.

USA: House of (Credit) Cards

US-Amerikaner zahlen nur noch zwei von fünf Rechnungen bar – in Deutschland sind es noch vier von fünf, wie die Deutsche Bundesbank mitteilt. Bargeldlose Zahlungen nehmen in den USA seit Jahren zu. Vor allem EC-Karten und aufladbare Prepaid-Kreditkarten werden immer beliebter. Laut einer Studie wechselten bereits im Jahr 2013 17,5 Billionen US-Dollar mehr auf elektronischem Wege den Besitzer als noch zehn Jahre zuvor. Die Bank ING-DiBa veröffentlichte im Jahr 2017 eine Studie. Dort gaben 34 Prozent der Amerikaner an, „nie“ oder „nicht oft“ Bargeld mit sich zu führen. Deutschland ist da Schlusslicht: Hier haben 90 Prozent der Menschen „immer“ oder „sehr oft“ Bargeld in der Tasche.

Tansania: Motor für mobiles Zahlen

Teile Afrikas sind Vorreiter beim bargeldlosen Bezahlen. Die Journalistin Solveig Rathenow sah sich für die Zeitung „Die Welt“ auf der tansanischen Insel Sansibar um, und stellte fest: „Das mobile Payment ist in Afrika gängiger Alltag“. Laut einer Studie der Weltbank von 2012 benutzen rund 650 Millionen Menschen in Afrika ein Handy – mehr als Zugang zu Trinkwasser haben. Für diese Entwicklung sei die App „M-Pesa“ verantwortlich, die Safaricom und Vodafone 2007 in Kenia einführten, um Mikrokredite zu vergeben. Mit der App kann man Geld von Handy zu Handy schicken, in Geschäften per Handy-Überweisung zahlen und eine Art Sparkonto auf dem Handy einrichten. Und: Für all diese Funktionen wird kein Bankkonto, kein Internet und auch kein Smartphone benötigt. Die Telefonnummer ist die Kontonummer. Selbst in einfachen Straßenläden kann man mit „M-Pesa“ zahlen.

Niederlande: (Bargeld-)Freie Fahrt voraus!

Seit 2014 gibt es in öffentlichen Verkehrsmitteln keine Scheine mehr: weder Fahrscheine, noch Geldscheine. Als weltweit erstes Land führten die Niederlande ein einheitliches elektronisches Bezahlsystem ein. Vor Fahrtantritt wird Geld auf eine Chipkarte geladen, mit der die Fahrt bezahlt wird. Immerhin 42 Prozent der Niederländer können sich laut einer Studie der ING vorstellen, das elektronische Bezahlen auf andere gesellschaftliche Bereiche auszuweiten und in Zukunft ganz auf Bargeld zu verzichten. Das Kupfergeld ist bereits auf dem Rückzug.

China: Reich der Smartphones

Das Reich der Mitte überspringt einen kompletten Entwicklungsschritt: Vom Bargeld geht es direkt zum Zahlen per Smartphone – ohne Umweg über die Kreditkarte. Nach Angaben des britischen Marktforschungsunternehmens Mintel ist der Umsatz mit mobilem E-Commerce seit 2011 von 1,5 Milliarden Euro auf rund 380 Milliarden Euro gestiegen. Die Forscher rechnen damit, dass im nächsten Jahr eine halbe Milliarde der 1,37 Milliarden Chinesen über Smartphones ihre Online-Einkäufe bezahlen. Grund für diese rasante Entwicklung ist der radikal vorangetriebene Ausbau modernen mobilen Internets und die Verbreitung der Geräte: Jeder dritte Chinese kauft sich jedes Jahr ein neues Handy.

Griechenland: Regierungszwang

Die griechische Regierung will ihre Bürger zum bargeldlosen Glück zwingen. Wer mehr als 80 Prozent seiner Einkäufe digital bezahlt, wird mit einem Steuererlass belohnt. Im Umkehrschluss heißt das aber auch: Wer nicht mindestens zehn Prozent mit Karte oder online bezahlt, muss mit Geldstrafen rechnen. Außerdem soll nur noch derjenige in den Genuss des Steuergrundfreibetrags kommen, der seine Steuern mit Karte oder online bezahlt.

Brasilien: Berührungsloses Zahlen

Die Brasilianische Vereinigung der Kreditkartenunternehmen (ABECS) errechnete in ihrem Land eine Steigerung um neun Prozent elektronischer Zahlungen gegenüber dem Vorjahr. Besonders beliebt ist seit 2013 das kontaktlose Zahlen per Near Field Communication (NFC): Kunden halten ihre Kreditkarte oder ihr Smartphone zum Bezahlen an ein Lesegerät – und die Rechnung ist bezahlt. Inzwischen bieten zwei Millionen Verkaufsstellen diesen Service an, darunter auch die größte Bank des Landes, die Banco do Brasil. Sie war weltweit die erste Bank mit einer entsprechenden Smartphone-App. Grund für die Entwicklung hin zum kontaktlosen Zahlen ist nach Angaben von ABECS, dass immer mehr Brasilianer Angst davor haben, ausgeraubt zu werden, wenn sie Bargeld in der Tasche haben.